TIEF IM BAUCH

Als ich vor einer Weile einem Freund erzählte, dass ich mich damit beschäftige, wie die Liebe oft missverstanden und überfordert wird, mailte er mir einen Cartoon, in dem eine Fee heranschwebt und einem Mann zuruft: „Heute ist Ihr Glückstag. Ich habe noch einen Wunsch zu vergeben. Für Schnellentschlossene.“ Der Mann antwortet ohne lang zu überlegen: „Dann möchte ich endlich wahre, reine, aufrichtige, immerwährende, unendliche, tiefe, leidenschaftliche, bedingungslose Liebe finden.“ Im letzten Bild sieht man einen kleinen Hund, der sich hingebungsvoll an das Bein des Mannes klammert.

In diesem Cartoon findet sich die Quintessenz all dessen, was Sie über die Liebe wissen müssen: Das, was wir uns alle wünschen, gibt es nicht. Jedenfalls nicht zwischen zwei Menschen.

Das heißt nicht, dass es keine Liebe gibt oder dass Liebe nicht absolut wundervoll, aufrichtig, tief oder leidenschaftlich sein kann. Ganz im Gegenteil – es gibt sie, die große, die wahre, ja sogar die andauernde Liebe. Aber sie ist nicht perfekt. Sie ist nicht immer himmelhochjauchzend. Sie ist kein Rausch wie die Verliebtheit, sondern ein nüchterneres, dafür aber umso stärkeres Band.

Auf die Liebe gibt es keine Garantie und Liebe allein macht noch keine Beziehung aus. Eine Liebesbeziehung ist eine Aktivität zweier Partner, die idealerweise gekennzeichnet ist durch Achtsamkeit, Offenheit, Verbindlichkeit und den Wunsch, sich immer wieder aufeinander einzulassen.

Hier die 6 wichtigsten Tipps aus meiner Sicht:

  1. Bleiben Sie auf dem Teppich. Natürlich dürfen Sie träumen. Aber je unrealistischer Ihre Wünsche und Erwartungen an die Liebe sind, desto schwieriger wird es, einen Partner zu finden oder eine glückliche Beziehung zu führen. Ein Partner ist kein Bedürfniserfüller, kein Wünsche-von-den-Augen-Ableser, auch wenn Hollywood-Filme uns das nur zu gern suggerieren. Ein Partner ist im besten Fall ein souveränes Gegenüber mit eigenen Wünschen und Erwartungen. Partnerschaft bedeutet verhandeln, Prioritäten setzen und Kompromisse schließen – von beiden Seiten.
  2. Sprechen Sie über Ihre Gefühle und Ihre Bedürfnisse. Kein Mensch kann Gedanken lesen. Öffnen Sie sich einander: Teilen Sie Ihre Gefühle, Ihre Ängste, Ihre Wünsche mit. Warten Sie nicht, bis sich Enttäuschungen und Frust aufgestaut haben und Sie nur noch Problemgespräche führen oder gar über eine Trennung nachdenken. Wichtig: Manchmal ändern sich Bedürfnisse im Laufe der Zeit. Versäumen Sie nicht, Ihrem Partner diese Veränderungen mitzuteilen. Veränderungen sind Zeichen für Lebendigkeit und Wachstum. Und nichts ist erfüllender als eine Verbindung zweier Menschen, die sich einander immer wieder zuwenden und versuchen, den anderen zu verstehen.
  3. Respektieren Sie Unterschiede. Sich zu verstehen heißt nicht, einander immer zuzustimmen. So ähnlich sich zwei Partner auch sein mögen – sie bleiben immer zwei unterschiedliche, voneinander getrennte Individuen. Eine Beziehung zu führen heißt nicht, sich für den anderen aufzugeben oder dies vom Partner zu verlangen. Freuen Sie sich über Gemeinsamkeiten und Nähe, aber respektieren und wertschätzen Sie auch die Unterschiedlichkeiten. Vielleicht können Sie gerade dadurch etwas voneinander lernen und sich weiterentwickeln.
  4. Haben Sie keine Angst vor Konflikten. Sie sind in einer echten Beziehung unvermeidlich. Wenn zwei Persönlichkeiten ihre Leben zusammenlegen, entsteht Reibung. In vielen Bereichen werden Lösungen gefunden, bestimmte Themen werden spannungsgeladen bleiben. Das heißt nicht, dass Ihre Beziehung zum Scheitern verurteilt ist. Jedes Paar hat sowohl mit lösbaren als auch mit unlösbaren Problemen zu kämpfen. Paare, die nie unterschiedlicher Meinung sind, leben oft in symbiotischen Beziehungen, in denen Disharmonien von einem oder beiden „heruntergeschluckt“ werden, was im Laufe der Zeit zu tiefem Groll oder Entfremdung führen kann. Glückliche Paare behalten ihr Vertrauen und ihren Humor während sie über lösbare Probleme verhandeln und im Laufe der Zeit mit den unlösbaren Problemen umzugehen lernen.
  5. Setzen Sie sich auseinander, aber bleiben Sie fair. Es spielt keine Rolle, ob ein Paar sich laut oder leise zugrunde richtet. Die schlimmsten Kommunikationsfouls sind: Vernichtende Kritik an der Person des Partners, anstatt konkrete Kritik an seinem Verhalten zu üben; sich zu rechtfertigen, statt auf die Gefühle des Partners einzugehen; Verachtung und Rückzug. Wenn Sie im Streit den emotionalen Kontakt zu Ihrem Partner verlieren und in eine destruktive Streitspirale geraten, brechen Sie die Diskussion ab. Vereinbaren Sie gleichzeitig einen neuen, zeitnahen Termin, um „abgekühlter“ weiterzusprechen. Wenn Sie einen Konflikt nicht alleine lösen können, suchen Sie therapeutische Hilfe – je früher, desto besser. Sich Unterstützung zu holen ist kein Bankrott, sondern ein Zeichen, wie wichtig Ihnen Ihre Beziehung ist.
  6. Vertragen Sie sich. Viele unglückliche Paare gehen nach einem Streit ohne sich zu vertragen in den Alltag über. So folgt eine Verletzung auf die nächste, keine Wunde heilt jemals aus. Zu den lebenswichtigen Maßnahmen in einer Beziehung gehört es, kleine versöhnliche Schritte aufeinander zuzugehen, Entschuldigungen auszusprechen, aber auch anzunehmen. Wenn Sie einen Fehler gemacht haben, entschuldigen Sie sich und versuchen Sie, Ihr Verhalten dementsprechend zu ändern. Wenn Ihr Partner einen Fehler gemacht hat, überlegen Sie, was Sie brauchen, um Ihrem Partner zu verzeihen. Manche Wunden brauchen Zeit um zu heilen, aber ein Paar braucht auch in den schwierigsten Phasen Momente des Friedens und Ausruhens miteinander.

Feel Glück
Ihr Ralf

24. Mai 2016

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